Hilfe, ich vergleiche mich immer mit anderen...

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Ein Exkurs in das Thema Neid. Meinen eigenen mit eingeschlossen.

Ich hatte eine interessante und schwierige Situation mit einer Freundin. Zu verschiedenen Terminen fing sie an, meine Homepage und meine Videos erst leise nicht zu mögen und dann recht vehement zu kritisieren. Sie wären nicht spirituell genug. Sie wüsste, dass ich mehr Tiefe hätte, als das was ich auf der Homepage zeige. Das gipfelte in dem Satz: „Wie konntest du denn nur auf solche Abwege geraten.“

Nun, man könnte meinen, ich würde Waffen für Syrien verkaufen. Dabei unterstütze ich Menschen in der Startphase ihres ganzheitlichen Business. Im Laufe der Jahre habe ich viel persönliches Zeug auf meinem Blog geteilt, manches davon mit totalem Herzklopfen, weil es sich so verletzlich angefühlt hat. 

Meine erste Reaktion auf die Kritik meiner Freundin war Sprachlosigkeit, Schmerz und dann Scham. Jemand sagt mir, dass ich als Person nicht spirituell genug und nicht gut genug bin. (Das ist der Unterschied zwischen Schuld und Scham: Schuld ist, wenn jemand sagt: „das was du gemacht hast, ist nicht gut genug.“ Scham ist, wenn jemand sagt: DU als Person bist nicht gut genug. 

Dann fiel mir die grossartige Brene Brown ein und ihr Ausspruch: „Wenn du nicht selber in der Arena stehst, hast du null Berechtigung dafür, mich zu kritisieren.“

Ich sagte ihr das und das half mir erst mal, wieder ein Gefühl für eine klare Grenze zu haben. Ganz ehrlich, mein erster Impuls war ihr auf ewig die Freundschaft zu kündigen. Doch ich hatte ein Gefühl, dass es eigentlich um etwas anders geht. Ich konnte es noch nicht benennen, aber ich wollte es wissen.

Ich fing an zu bohren, aber es kam nicht viel Konkretes raus: sie mag das Wort „Business“ nicht - ich sollte lieber über Arbeit sprechen. Und sie mag das Wort Geniezone nicht. Das wäre so englisch. Dann wurde die Spur heisser, ihre Vorstellung von Tiefe beinhaltet Tränen und Betroffenheit. Das heisst, wenn ich in meinen Videos nicht weine, dann hat es keine Tiefe. Und dann wurde ich wirklich interessant, da drunter liegt eine Portion Neid.
 

Jedes Thema hat auch mit uns zu tun. Oder warum ich drüber schreibe:

Menschen werden nicht immer mögen, wenn du dich veränderst, vor allem wenn du sichtbar wirst. Und nicht jede Rückmeldung kommt von einem Ort echter Reflektion. Und hier kommt der nicht so elegante, sehr persönliche Teil, wo ich am anderen Ende der Geschichte stehe:

Ich hab die gleiche Erfahrung auch schon umgekehrt gemacht, mit einer Frau, mit der ich im gleichen Business Training und Netzwerk war. Am Anfang habe ich sie bewundert. Sie hat sich einfach sichtbar gemacht, sie war richtig gut, sie war sogar nett und sie wurde total schnell erfolgreich, überfliegermässig. Und je erfolgreicher sie wurde, desto weniger mochte ich sie. Ich hab mich aus ihrem Newsletter ausgetragen. Ich fand innerlich immer was zum rummäkeln (in meinem Kopf und nicht direkt persönlich). Und wenn ich ganz ehrlich bin, ging mein inneres Gemäkel auch in Richtung beschämen. Ich fand sie als Person plötzlich nicht mehr so gut. Zu laut, zu abgehoben, zu teuer. Sie sollte doch lieber bescheidener sein.

Das war ein interessantes Zeichen. Denn sinnvolle Kritik hat erst mal mit konkreten Inhalten zu tun und nicht mit persönlichen Vorlieben oder Ängsten. Und sie steht vor allem in Zusammenhang mit dir. 
Jemand hat nicht gehalten, was er dir versprochen hat. Ein Punkt für eine berechtigte Kritik. 
Jemand häkelt Überzüge für Klopapierrollen…. Geht uns einfach nix an. Ende. Egal ob wir das mögen oder nicht.

Und mein Gemäkel hatte einfach nichts zu tun mit irgendeinem realen Grund. Ich war einfach nur neidisch. Und das war Zeit für eine Runde Selbstcoaching:

Ich begann mit einer interessanten Frage zu arbeiten:

„Was wäre, wenn ich selber mehr von dem täte, was ich an dieser Frau grad so unglaublich schwer aushalten kam?“

Klare Antwort: Mehr sichtbar werden, professioneller werden. Mich nicht zurückhalten und der Welt erzählen, womit ich anderen weiterhelfen kann. Und das habe ich im letzten Jahr versucht umzusetzen. Kürzlich hab ich diese Frau in einem Training wiedergetroffen. Meine erste Reaktion war: „Oweia ausgerechnet die schon wieder“…. Um dann festzustellen, dass ich sie inzwischen richtig nett finde und ihre geniale Arbeit sehr respektiere

Zurück zur Situation mit meiner Freundin. Nach einigen langen Spaziergängen, einer Runde heulen, einer Tafel Schokolade verstand ich, dass diese Erfahrung ein total gutes Zeichen ist. Denn mein Selbstcoaching hat funktioniert.
 

Und so ganz allgemein zur Homepage: 
wie persönlich sollen wir denn sichtbar werden und wie spirituell und wahrhaft muss es denn sein?

Ich sehe das so: Als Solounternehmerin und als Soul-Business sind wir unser Business. Aber halt ein ganz bestimmter, professioneller Bereich aus dem grossen ganzen ich. Hier sind wir (hoffentlich) im Bereich unserer Geniezone wo wir Dinge tun, mit denen wir gut sind.

Wir haben Momente von Bliss und Flow, eine meist bunte und nicht immer einfache Vorgeschichte und wir haben dunkle Zeiten in denen wir wenig Licht im Tunnel sehen. Aber ändert das was an der Tatsache, dass wir ein Projekt strukturieren können, gute Massagen machen oder jemand helfen können, seine Stagnation besser zu erkennen?

Ich mag es, wenn Menschen auf ihren Homepages persönlich sichtbar werden. Und zwar in Bezug auf ihre Arbeit und ihr Angebot. Ich selber bin einfach kein Fan von Seiten die im Wesentlichen aus einem Verzeichnis der Ausbildungen, der Angebote und der Veröffentlichungen bestehen. Ich will wissen, wie jemand so ist, welche Werte sie hat und ob ich ihr vertrauen kann, weil ich weiss, dass sie meine Situation kennt.

Ich muss aber nicht wissen, ob eine Ostheopathin mal vor 10 Jahren in ihrem alten Job gemobbt wurde, oder ob sie die bunte und die weisse Wäsche nicht auseinander halten kann. 

Was ich spannend finde sind Informationen, die Bezug haben zum Angebot und die mir dabei auf meinem eigenen Weg weiterhelfen:

  • Wenn ein Beziehungs-Therapeut ein bisschen was über seine eigenen Hochs und Tiefs in dem Bereich erzählt.
  • Oder ein Finanzcoach berichtet, wie es kommt, dass das Thema Geld für sie so interessant ist und was sie herausgefordert hat, mit dem Thema ins Reine zu kommen.
  • Ich mag es, wenn jemand mir seine Dienste als Ernährungsberater anbietet, mir von seinen Erfahrungen mit dem Thema Essen berichtet. Denn jemand, der von Geburt an nur Gemüse gegessen hat, kann vermutlich mein eigenes Dilemma mit Eiscreme nicht wirklich verstehen.

Also werde ich hier nach wie vor sichtbar sein zum Thema: „Sichtbar werden, den eigenen Ausdruck finden, den eigenen Flow, die eigene Form entwickeln“ und darüber berichten, was ich in dem Gelände alles für Erfahrungen mache.

 

Anregung für heute. Wie wäre es, wenn du mehr von den Dingen tust, die du an anderen ziemlich unerträglich findest? 
(Natürlich meine jetzt nicht irgendwelche Attentäter, sondern Menschen, die du grundsätzlich magst)